Willkommen 2026
Gebrauchslyrik von Sonja Drescher
Dieser Abschnitt präsentiert das letzte Saisongedicht
Willkommen 2026

Das Jahr begann in der Neujahrsnacht,
in der es gewöhnlich knallt und kracht.
So werden die bösen Geister vertrieben,
doch fürchte ich, sie sind geblieben
und zeigten, was sie können am besten:
Und dunkel ward es im Berliner Südwesten
weil extreme linksradikale Kämpfer
dem friedlichen Leben verpassten ‘nen Dämpfer.
Ein Feuerchen im Kabelschacht
hat mehr als nur „Licht aus“ gemacht.
5 Tage mussten Menschen frieren
weil Heizungen nicht funktionieren.
Zum Glück wurden, noch fast in der Nacht,
Flüchtlinge neu untergebracht.
Alte schliefen, damit sie nicht frieren,
auf Feldbetten in Gemeinschaftsquartieren.
Einige waren ziemlich erbost,
dass keiner kam zum Spenden Trost.
Und manch Fisch im kalten Aquarium
kam, wie man hörte, dort leider um.
Unser regierender Bürgermeister
erwies sich hier als Minderleister.
„Underperformer“ hört besser sich an,
aber Tennisspielen kann der Mann!
Er hoffte, wir bleiben ihm eher gewogen,
wenn er in dieser Frage gelogen
und uns erzählt, von früh bis spät
saß er am Telefongerät.
Was tat er konkret, würde mich interessieren,
aber sicherlich musste er nicht frieren.
Was lernen wir aus diesem Fall?
Gefahren lauern überall.
Derweil wir sie von rechts erwarten
mischen die Linksradikalen die Karten
und planen ihre nächste Aktion,
vielleicht in Marzahn, das hörten wir schon.
Die Infrastruktur ist volatil
und gerne der Linksterroristen Ziel.
S-Bahnen konnten oft nicht fahren
weil Kabel durchgeschnitten waren.
Zum Wetter lässt sich auch etwas sagen:
Der Winter hat sich schon tapfer geschlagen.
Er hat die Züge zum Stillstand gebracht,
den Kindern mit Schulfrei eine Freude gemacht.
Schneemänner und -frauen wurden gebaut
bevor der Schnee wieder weggetaut.
Die Notaufnahmen im Krankenhaus
holten schon die Notbetten raus.
Brüche, Zerrungen, Hämatome –
alles in allem: Das war nicht ohne!
Der Herzog von Schleswig-Holstein Ernst Günther
starb vor hundert Jahren im Winter.
Als Schwager von Kaiser Wilhelm dem 2.
ließ er von Standesdünkel sich leiten.
Ich bin mir nicht sicher, doch könnte es sein,
Daniel passt in den Stammbaum rein.
Sein Auftreten bei Markus Lanz
– verfassungsfeindliche Arroganz – *)
sollten dem Mann entlocken den Satz:
„Als Ministerpräsident bin ich fehl am Platz!“ **)
Mehr Gedichte von Sonja Drescher
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Die Gedichte sind geprägt von Sorgfalt und einem außergewöhnlich hohen Standard. Ein Vergnügen.

Lukas Schneider
Historiker
Jede Erwartung wurde übertroffen – von ersten Zeile bis zum letzten Treffer.

Anna Müller
Story-Enthusiastin
