Der Köpenicker Ratsbaumeister Fritz Wolff war ein Held seiner Zeit, ein herausragender Handwerker, Architekt und Unternehmer. Aus einfachen Verhältnissen stammend, baute er ein Baugeschäft auf und prägte Köpenick nachhaltig. Die Spurensuche nach den Bauten Fritz Wolffs ist eine ideale Möglichkeit, die Lebenswirklichkeit der jeweiligen Schaffensperiode zu beleuchten. Sein beeindruckendes Gesamtwerk und sein soziales Engagement spannen einen weiten Bogen von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart.

Zahlreiche Episoden fügen sich zu einem faszinierenden Mosaik dieser Zeit zusammen. Insbesondere die Zerstörung der von Fritz Wolff erbauten Köpenicker Synagoge wirkt bis heute nach und ist ein authentisches Mahnmal jüdischen Lebens in Deutschland.
Fritz Wolff begegnet uns, wenn wir die Augen offen halten und uns auf eine aufschlussreiche Reise nach Köpenick begeben.

Und ganz nebenbei lüften wir das Geheimnis um den ersten weiblichen Maurerlehrling Deutschlands aus dem Jahr 1926: Warum die junge Frau dem Nationalbolschewisten Ernst Niekisch begegnete und 1937 im Gefängnis landete.

Der Autor ist gelernter Koch, Naturwissenschaftler, Wassersportler und Heimatforscher. Aus dieser Mischung entstand das Bedürfnis, die akribisch recherchierten Inhalte ansprechend aufzubereiten und dem Leser näher zu bringen.

Insgesamt ist Alt-Köpenick ein geschichtsträchtiger Ortsteil mit vielen Sehenswürdigkeiten. Das historische Rathaus und die Bedeutung der Synagoge für das jüdische Leben in Köpenick machen den Ort zu einem wichtigen Teil der Berliner Geschichte. Es lohnt sich, die Architektur und die Geschichte hinter diesen besonderen Gebäuden zu erforschen, um die Vergangenheit und die Kultur der Region besser zu verstehen. Wenn das Alte und weniger das Neue für die Besucher interessant ist, wäre es nicht spannend zu erfahren, wer diese Schätze erbaut hat?

Das Ehepaar Elise und Fritz Wolff, 1953
Das Ehepaar Elise und Fritz Wolff, 1953
Die Synagoge zu Köpenick
Die Synagoge in Köpenick, Freiheit 8 (1910-1945)

Die Gebäude, ob Industrie- oder Wohnbauten, Schulen oder Verwaltungsgebäude, sind bemerkenswerte architektonische Kunstwerke, die durch ihre Struktur, Ästhetik und verwendeten Materialien Einblicke in ihre Geschichte gewähren. Die Fassaden sind unverwechselbar gestaltet und die Baumeister haben darauf geachtet, dass die Gebäude flexibel erweitert, umgebaut und verändert werden können. Der Umbau, insbesondere der Fabrikgebäude, ist auf Dauer angelegt, um den Erhalt und Fortbestand zu sichern. Werden sie dagegen zu Spekulationsobjekten, ist ihre Zukunft ungewiss, weil Verfall oder Abriss drohen.

Die heutige Gesellschaft verbindet mit dem baulichen Erbe nicht mehr zwangsläufig Erinnerungen an harte körperliche Arbeit, Schmutz, Lärm, Verletzungs- und Lebensgefahr oder einen niedrigen Lebensstandard der Bauarbeiter und deren Familien. Vielmehr werden die bestehenden Gebäude als Orte von außergewöhnlicher gestalterischer Qualität wahrgenommen. Häufig werden sie mit dem romantisch verklärten Bild einer vergangenen, vermeintlich besseren Welt in Verbindung gebracht. Im Vergleich zu schlichten Neubauten verstecken sich hinter filigranen Fassaden geheimnisvolle Räume. Sie vermitteln den Eindruck einer versunkenen, einzigartigen Vergangenheit mit einer unverwechselbaren Ästhetik.

Ein Mann mit Verantwortung

Der Köpenicker Ratsbaumeister Fritz Wolff war ein Held seiner Zeit, ein herausragender Handwerker, Architekt und Unternehmer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der aus einfachen Verhältnissen stammte, ein Baugeschäft aufbaute und Köpenick nachhaltig prägte. Und weil alles mit allem zusammenhängt, verschwimmen die Grenzen zwischen Bildung und Industrialisierung, zwischen protestantischer Ethik und sozioökonomischen Konflikten, zwischen Kapital und Fortschritt, zwischen Terror und Politik und prägen die Biografien von Männern und Frauen, die in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts etwas erreichen wollten.